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Aviäre Influenza


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Karte mit Fundorten zur Verbreitung der Aviären Influenza mit Fokus auf Deutschland

Aviäre Influenza

Dr. Nils Reimann

Geflügelpest, Vogelgrippe, LPAI/HPAI, H5N8 oder Aviäre Influenza – das Verwirrspiel der Begrifflichkeiten ist manchmal groß, dabei ist immer das Gleiche gemeint. Die Geflügelpest beschreibt eine hochansteckende, fieberhafte Tierseuche und bezieht sich auf die Ausbrüche mit schwerem Krankheitsverlauf, also mit hohen Tierverlusten. Nach einer kurzen Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu maximal 21 Tagen erkranken die Tiere. Der Krankheitsverlauf verläuft danach schnell und endet meist für die Tiere tödlich. Im umgangssprachlichen Gebrauch und auch bei weniger schweren Verläufen spricht man dann wiederum von der Vogelgrippe. Diese Unterscheidung spiegelt sich auch in den beiden Abkürzungen LPAI/HPAI wider. Man unterscheidet hier grundsätzlich zwischen den sogenannten niedrig-pathogen (low pathogenic avian influenza; „wenig krank machenden“) und den hoch-pathogenen (high pathogenic avian influenza; „stark krank machenden“) Influenzaviren. Während die niedrig-pathogene Variante oftmals nur geringe bis gar keine Krankheitszeichen hervorrufen und somit meist in Tierbeständen unentdeckt bleiben, kann bei Nutzgeflügel, wie beispielsweise Puten, Enten und Hühner eine Infektion mit den hoch-pathogenen Influenzaviren zu massiven Verlusten führen. Da sich die niedrig-pathogenen Viren jedoch auch zu den hoch-pathogenen entwickeln bzw. mutieren können, wird in Deutschland immer auf amtstierärztlicher Anordnung der gesamte Bestand nach einer positiven Diagnose „geräumt“. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Routineuntersuchung handelte oder der Farmbetreiber seine Tiere wegen einer erhöhten Todesrate, reduzierter Legeleistung oder anderen Auffälligkeiten von seinem Tierarzt hat untersuchen lassen.

Diese Influenzaviren sind behüllte RNA-Viren (Familie Orthomyxiviridae) und werden in mehrere Genera aufgeteilt, von denen das Genus Alphainfluenzavirus bei vielen Vögeln und Säugetieren in der Natur vorkommen. Eine weitere Unterteilung erfolgt anhand zweier Glykoproteine auf der Oberfläche der Viren, dem Hämagglutinin (H) und der Neuraminidase (N). Bekannt sind derzeit 19 H-Varianten und 9 N-Varianten. Die Kombination beider Oberflächenproteinen führt dann zu solchen Konstrukten wie H5N1, H5N5 oder H5N8 – jeweils in der niedrig- oder hoch-pathogenen Form. Hinter den drei Subtypen H1N1, H2N2 und H3N2 der Influenza A-Viren verbergen sich beispielsweise die Auslöser der saisonalen Grippe beim Menschen, von denen die erstere 1918 traurige Berühmtheit erlangte als Spanische Grippe mit Millionen Toten weltweit.
Bisher kam es nur äußerst selten und nur unter bestimmten Bedingungen zur Übertragung der aviären Influenzaviren vom Geflügel auf den Menschen. In diesen seltenen Fällen kann die Geflügelpest jedoch tödlich enden. Obwohl schon seit 1959 die Variante H5N1 bekannt ist, wurden weltweit 861 Fälle von aviärer Influenza beim Menschen bestätigt (Quelle: WHO, Stand: Oktober 2020). Die andere „Verursacher“ waren beispielsweise H5N9 oder H5N6. Das ist sehr wenig, zumal diese Seuche bereits seit Jahren in großen Teilen Südostasiens grassiert und dort mehrere Milliarden Menschen leben. Erkrankungen von Menschen setzen nach derzeitigem Kenntnisstand intensiven direkten Kontakt zum infizierten Geflügel voraus. Laut Robert-Koch-Institut ist es eher unwahrscheinlich, dass sich hier in Deutschland Menschen infizieren [Quelle], an der Variante H5N8 ist noch nie ein Mensch erkrankt. Vorsichtig sollte trotzdem im Umgang mit infizierten Vögeln gelten, da es nie ausgeschlossen werden kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR hatte bereits 2016 die Virusübertragung durch den Verzehr von Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukten als unwahrscheinlich eingestuft.

Andere Quellen und Kartenmaterial zur Aviären Influenza

Dr. Nils Reimann

Es gibt im Internet eine Vielzahl von Quellen und Kartenmaterial, das die aktuellen Fällen der Aviären Influenza darstellt. Wie auch schon bei der Afrikanischen Schweinepest sind es meistens die Karten nationaler Veterinärbehörden, die nicht grenzübergreifend eine Übersicht liefern. Nicht alle sind leicht zu finden und die Aussagekraft und Aktualität lässt manchmal zu wünschen übrig. Nachfolgend gebe ich eine kleine Auflistung dieser Quellen sowie eine (persönliche) Bewertung.

Dänemark - Miljø- og Fødevareministeriet / Dänische Veterinär- und Lebensmittelüberwachung

Verbreitungskarte der Aviären Influenza in Dänemark

Wer der dänischen Sprache mächtig ist, findet in dieser Karte eine hervorragende Übersicht zur Verbreitung der Aviären Influenza in Dänemark. Neben den positiv getesteten Fällen werden aber auch die negativen gezeigt.

Deutschland - Friedrich-Löffler-Institut (Nationales Referenzlabor)

Verbreitungskarte der Aviären Influenza in Deutschland

Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) veröffentlicht wöchentlich das Ausbruchsgeschehen zur Geflügelpest in Deutschland und in der gesamten Europäischen Gemeinschaft. Gut erkennbar ist die Abgrenzung von Nachweisen in Wildvögeln (blaue Dreiecke) zu denen in Hausgeflügelbeständen (rote Kreise). Auch diese verlässliche Datenquelle hat leider ein paar Schwächen:

  • Veröffentlicht wird eine Karte von Deutschland und Europa jeweils als Bilddatei, in die man weder hineinzoomen noch zusätzliche Informationen abrufen kann.
  • Das Ausbruchsgeschehen ist kumulativ dargestellt. In der Deutschlandkarte werden alle Nachweise vom 01.07.2020 bis zum Veröffentlichungsdatum darstellt.

Ungarn - Staatlicher Veterinärdienst Nébih

Verbreitungskarte der Geflügelpest-Ausbrüche in Ungarn

Die ungarische Veterinärbehörde Nébih unterhält eine Verbreitungskarte zum Vorkommen der Geflügelpest-Ausbrüche auf ihrem Terretorium. Im Frühjahr 2020, als es zu einem wahren Flächenbrand in den südlichen Landesteilen kam, wurden alle Ausbrüche umgehend in dieser Karte dargestellt.

Großbritannien - Landwirtschaftsministerium / Department for Environment, Food & Rural Affairs

Verbreitungskarte der Geflügelpest-Ausbrüche in Großbritannien

Das britische Landwirtschaftsministerium stellt umfangreiche Informationen zum nationalen Ausbruchsgeschehen ins Netz inklusive Anleitungen zur Steigerung der Biosicherheit von Geflügelhaltungen. Etwas versteckt im Internet wird auch eine ArcGis-Karte zur Verfügung gestellt, allerdings nur mit den Restriktionsgebieten (Control Zones, Higher Risk Areas, etc.). Ausbrüche werden leider nicht dargestellt.

Wer auf dem neusten Stand bleiben möchte, kann sich bei dem DEFRA-Benachrichtigungsdienst anmelden und erhält somit umgehend die neue Fälle, wahlweise als SMS oder per E-Mail.